Zunächst mal nackte Zahlen. 650 Einladungen wurden geschrieben. Letztendlich gab es dann 74 Zusagen. Klingt nicht gerade nach Zuspruch. Und dennoch schien es hinterher so, als wären fast alle zufrieden nachhause gefahren.

Die Schildkrötenschutztage wurden von der AG-Schildkrötenschutz innerhalb der IGSN 2016 ins Leben gerufen. Primäres Ziel war immer die bessere Vernetzung aller Beteiligten, die mit Schildkröten im Tierschutz zu tun haben. Die AG-Mitglieder sind seit Jahren selber im Schildkrötenschutz aktiv und haben in der Vergangenheit feststellen müssen, dass das „Miteinander“ fehlt, und jeder irgendwie für sich arbeiten muss. Hinzu kamen die sehr unterschiedlichen Auflagen die die Stationen erfüllen müssen, um überhaupt eine Betriebserlaubnis zu bekommen, und die damit verbundene Genehmigung nach §11 TierSchG. Um eben genau darauf aufmerksam zu machen, lädt die IGSN seit diesem Jahr, im Abstand von zwei Jahren zu dieser Tagung Tierheime und Auffangstationen, Pflegestellen und Tierschutzvereine, sowie Zoos und Tierparks, bzw. deren Tierpfleger ein.

Während der zweittägigen Veranstaltung referieren dann etablierte Fachreferenten und IGSN-Mitglieder zu unterschiedlichen Themenbereichen wie Quarantänemanagement, Arterkennung, Erkrankungsdiagnostik, Tierheimauflagen und neue Verordnungen.

Am 14. Und 15. Oktober waren es dann letztendlich nur 51 Teilnehmer, die bei schönstem Schildkrötenwetter im Tagungsraum platznahmen. Unter den Teilnehmern auch einige Azubis aus den anliegenden Tierheimen, über die wir uns besonders gefreut haben.

Markus Juschka (erster Vorsitzender der Vivaristischen Vereinigung e.V. – ViVe e.V.) machte den Anfang und stellte die besondere Bedeutung der Sachkunde, nicht nur im Tierschutz vor.

Amine Fehr und Petra Gronowski, die die offizielle Auffangstation für Landschildkröten der StädteRegion Aachen vorstellten, machten von Beginn an sehr deutlich worauf die neue Generation Tierheimmitarbeiter achten sollten. Krankheitsbekämpfung und Eindämmung der Verbreitung von typischen Viren in der Schildkrötenhaltung.

Die Köpfe rauchten und es wurden viele Notizen gemacht. Fast schien es so, dass einige Teilnehmer zum ersten Mal die Begriffe „Herpes“ und „Mykoplasmen“ gehört hätten. Wie viel Wahrheit sich in diesem Satz befindet, erfuhren wir dann am zweiten Tag. Aber dazu gleich etwas mehr.

Denn es ging mit der Beschreibung der Quarantänestation in der Landschildkrötenauffangstation in Kitzingen weiter. Sandra Malguth beschrieb die überdurchschnittlich guten (fast schon perfekten) Quarantänebemühungen ihrer Station.

Danach machte Dr. Henriette Mackensen allen Teilnehmern am Beispiel von europäischen Landschildkröten, und Rotwangenschmuckschildkröten klar, welche rechtlichen Vorgaben man im Tierschutz zu erfüllen hat. Die Leiterin der Abteilung Heimtiere innerhalb des deutschen Tierschutzbundes machte in ihren Vortrag mit interessanten Vergleichen im Bezug auf geforderte Mindestanforderungen der verschiedenen Vereine und Verbände deutlich, dass es da doch erhebliche Meinungsunterschiede gibt…

Mit Christin Kern, von der Auffangstation für Landschildkröten in Stuttgart endete dann der erste Tag. Die Gewinnerin des „Tierschutzpreises Baden Württemberg 2015“  zeigte den Besuchern wie ein Gehege für europäische Landschildkröten im Optimal-Fall auszusehen hat. Für Tierheime leider viel zu selten umsetzbar…

Bei einem gemütlichen Abendessen wurde dann gefachsimpelt. Ich war um 0.30 Uhr zuhause und viel sehr müde ins Bett.

Am Sonntag ging es dann um 10 Uhr weiter. Barbara Klobusch von der Auffangstation Dorsten ging dann auf die Haltung von Wasserschildkröten ein, und die Teilnehmer dankten es ihr mit ihrer konzentrierten Aufmerksamkeit.

Ingo Diegel von der gleichnamigen Tierarztpraxis aus Schwelm fesselte dann alle. Denn er erklärte das, was am Vortag große Fragezeichen in den Gesichtern vieler Tierheimangestellter hinterließ. Nach diesem Vortrag wusste dann plötzlich wirklich jeder was Herpes und Mykoplasmen sind.

Fast zwei Stunden lauschten die Teilnehmer seinen Beschreibungen und es entstanden erste Diskussionen, die zum Ende hin vertieft werden sollten.

Zuvor stelle Sonja Bader noch das eindrucksvolle Projekt „Schildkröte entlaufen – vermisst – gefunden“ und die gleichnamige Facebookgruppe vor.

Danach eröffnete Nadine Diegel eine Diskussion zum Thema „Bundesweite Datenbank für vermisste und gefundene Schildkröten“. Ein Thema, das viele Befürworter hatte, aber auch klarmachte, dass es nur funktionieren kann, wenn alle daran mitarbeiten…

Und dann stand Ingo Diegel wieder vorne am Rednerpult und eröffnete eine weitere angeregte Diskussion. Es ging um die Möglichkeit Schildkrötenmännchen endoskopisch zu kastrieren, um so eine Verträglichkeit der Tiere untereinander zu erreichen. Und welche Vor- oder Nachteile dadurch für den Tierschutz entstehen können. Mehr dazu auch zu einem späteren Zeitpunkt.

Und so überzogen wir wieder die geplante Redezeit um gut eine Stunde. Die Beteiligung aller (!!!) Teilnehmer zeigte dann auch, dass alle zugehört hatten, und etwas mit nach Hause nehmen. Und das ist ja das, was wir erreichen wollten. In den kommenden Tagen und Wochen wird nun ein Protokoll angefertigt und aufgearbeitet.

Erste Kritiken zeigen, dass der überwiegende Teil der Besucher von der Herzlichkeit, gepaart mit dem unermüdlichen Hinweis der Wichtigkeit der einzelnen Themen sehr zufrieden war. So schenkte Thorsten Geier (Kleintierverlag) spontan jedem anwesenden Tierschutzverein eines seiner Bücher, um ihnen so noch mehr Wissen zur artgerechten Haltung europäischer Landschildkröten mit auf den Weg zu geben.

Mit anderen Worten, der Aufwand hat sich gelohnt. Jetzt heißt es die Informationen zusammenzutragen und aufzuarbeiten. Danke, dass ich dabei sein durfte. Jetzt machen die IGSN-Schildkrötenschutztage 2018 Pause. Denn da findet dann am 2. Und 3. Juni 2018 das 2. NRW-Schildkrötenwochenende in Dorsten statt. Und 2019? Dann mit großer Wahrscheinlichkeit die 3. IGSN-Schildkrötenschutztage…

Text: Ralf Czybulinski

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